Nicholas Neerpasch im Interview

24.03.2017 Artikel herunterladen

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Herr Neerpasch, welches Problem wollen Sie mit Doozer lösen?

Doozer ist ein Tool, das durch die Digitalisierung unheimlich aufwändiger Prozesse in der Leerwohnungssanierung (B2B) für eine deutliche Vereinfachung und Beschleunigung dieser Abläufe sorgt. Im Bereich der Auftragsvergabe von Wohnungssanierungen – ob Komplettsanierung oder neuer Anstrich nach Mieterauszug – kostet die analoge Abwicklung von der Bedarfsfeststellung bis hin zur Beauftragung vielen Bestandshaltern viel Zeit und Geld. Gerade angesichts einer Vielzahl sich wiederholender Routineaufgaben bei der Beauftragung neuer Leistungen kann man sich gut vorstellen, dass eine Automatisierung beziehungsweise Digitalisierung jener Prozesse für eine deutlich höhere Effizienz sorgt. Entscheidend für die Akzeptanz dieses Tools ist dabei die Beibehaltung bewährter Prozesse, die durch die Usability der digitalen Lösung aber eben an vielen Stellen spürbar vereinfacht wurden. Doozer, als webbasierte B2B-Lösung, ermöglicht eine sofortige Online-Beauftragung von Handwerkern. Die Einzelfallbearbeitung dauert so nur noch knapp eine Stunde anstatt der sonst branchenüblichen zwei bis vier Wochen. Dies führt wiederum dazu, dass Wohnungen deutlich schneller neu vermietet werden. Hier profitieren sowohl die Wohnungswirtschaft als auch Handwerksunternehmen. Kurzgesagt sorgt Doozer für eine zeitgerechte Erstellung, Vergabe und Management von Modernisierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen.

 

Was war die Motivation für die Gründung?

Doozer ist aus der Praxis eines Berliner Ingenieurs- und Architekturbüros entstanden. Im Zuge der Betreuung und Sanierung größerer Wohnportfolios erkannten wir schnell, wie sehr die Branche von einer Verschlankung und Vereinfachung durch ein digitales Tool profitieren würde. Bereits 2012 haben wir vor diesem Hintergrund entsprechende Abläufe mithilfe erster Prototypen digital abgebildet und dadurch Preise und Angebote von Handwerksbetrieben transparent gemacht. Durch deren Einsatz machten sich bereits zu dieser Zeit erste Geschwindigkeitsvorteile in den Prozessen bemerkbar. Das machte eine der größten Asset-Management-Gesellschaften Europas hellhörig. Die Verantwortlichen wollten erfahren, weshalb die Prozesse der Leerwohnungssanierung in diesem Fall deutlich schneller ablaufen und äußerte schließlich Interesse, diese Lösung selbst einzusetzen. Das war die Initialzündung für die Entwicklung von Doozer. Der Asset Manager wurde im Übrigen unser erster Kunde, und ich darf hinzufügen, ist es noch heute.

 

Wie genau erfolgt die Auftragsvergabe auf www.doozer.de?

Handwerksunternehmen hinterlegen im Doozer-System auf Basis eines umfassenden und fest definierten Leistungsverzeichnisses Einheitspreise für ihre Dienstleistungen, die sie jedoch jederzeit anpassen können. Diese Einheitspreise können wiederum von Auftraggebern abgerufen werden. Damit entfallen die klassische Angebotserstellung und die Leistungsdefinition, wie sie in einer analogen Abwicklung notwendig sind. Die Online-Beauftragung von Handwerksleistungen bedarf also genau drei einfacher Schritte:

Erstens: Die sanierungsbedürftige Wohnung wird direkt aus dem vorab in das System eingespeisten Bestand ausgewählt oder mit wenigen Klicks selbst erstellt. Für die Flächenberechnung reicht die Angabe der Wohnfläche, der Raumhöhe und die Anzahl der Räume. Der Rest errechnet sich automatisch. Möglich ist dies durch unsere intelligenten Algorithmen, die auf der Erfahrung von über zehntausend Wohnungssanierungen beruhen.

Im zweiten Schritt werden die gewünschten Leistungen nach dem bewährten „Webshop-Prinzip“ ausgewählt, konfiguriert und per „Drag and Drop“ in den Warenkorb gelegt – und zwar bevor eine rechtssichere Beauftragung erfolgt. Häufige Leistungsbilder aus diversen Einzelpositionen sind dabei benutzerfreundlich in Leistungspaketen zusammengefasst. Zudem sind sämtliche Materialien (z.B. Bodenbeläge) oder Produkte (z.B. Badausstattung) in der Doozer-Plattform eingebunden und lassen sich anschaulich anhand von Bildern auswählen und konfigurieren.

Nach der Konfiguration der gewünschten Sanierungsleistungen generiert das System im dritten und letzten Schritt in Echtzeit vergleichbare Angebote. Der Auftraggeber sieht also eine Liste der in der Region verfügbaren Handwerksunternehmen mit den attraktivsten Konditionen im gewünschten Zeitraum, die freie Kapazitäten haben und umgehend beauftragt werden können.

 

Welche Vorteile haben die Nutzer von Doozer?

Die fasse ich natürlich gerne noch einmal zusammen. Auf Auftraggeberseite führt die Nutzung der Plattform zu einer erheblichen Verschlankung interner Prozesse und Abläufe und ist gleichzeitig problemlos in bestehende Prozesse integrierbar. Die Unternehmen profitieren von erheblich reduzierten Leerstandszeiten und Sanierungskosten sowie von einer großen Markt- und Kostentransparenz. Auftragnehmer beziehungsweise Handwerksunternehmen, die eine Provision im niedrigen Skontobereich zahlen, erhalten durch die Nutzung des Tools Zugang zu Neukunden aus dem begehrten, da verlässlichen und lukrativen B2B-Bereich. Gleichzeitig reduzieren sich die Aufwände für die Auftragsakquisition und der manuellen Angebotserstellung durch die Einbindung des präzisen Wohnungskonfigurators und einer Standardisierung der Leistungspakete. Auch hier steht ein signifikanter Zeitgewinn zu Buche. Zu guter Letzt können die Unternehmen durch die Möglichkeit, ihre Angebote Postleitzahlen gebunden freizuschalten, auch maßgeblich ihre Auslastung steuern.

 

Es gibt eine ganze Reihe von jungen Startups, die Handwerker vermitteln: Wie setzen Sie sich gegen diese Konkurrenz durch?

Doozer ist bisher der einzige Anbieter auf dem B2B-Markt, der den komplexen Vergabeprozess im Sanierungsbereich vollständig digitalisiert und damit abteilungsübergreifend alle Prozesse des Einkaufs, der Verwaltung, der Vergabe, der Kalkulation, der Steuerung und des Controllings von Leerwohnungssanierungen in Wohnungsbeständen optimiert und in einer Plattform vereint. Unser Vorteil liegt also in unserem ganzheitlichen Lösungsansatz. Genau darum geht es ja idealerweise, wenn von Digitalisierung gesprochen wird: Die abteilungsübergreifende, medienbruchfreie Abbildung von Geschäftsprozessen.

 

Wie gewährleisten Sie, dass nur seriöse Handwerker über ihr Portal vermittelt werden?

An dieser Stelle setzen wir auf unsere Branchenkenntnis, auf unser breites Netzwerk und natürlich auch auf Empfehlungen. Sie finden bei uns also namhafte, große Handwerksunternehmen, die ausschließlich im B2B-Segment unterwegs sind, aber auch Handwerksunternehmen, die durch große Unternehmen mitgebracht oder empfohlen wurden. Sowohl die Handwerksunternehmen als auch die Wohnungswirtschaft wünscht sich hier verlässliche und seriöse Partner.

 

Wie sieht Ihre zukünftige Strategie aus?

Unser Technologie- und Vertriebsvorsprung bietet uns die Chance, führender Digitalisierungsanbieter der B2B-Wohnungswirtschaft zu werden. Mit Blick in das kommende Jahr wollen wir Doozer als wesentliches Serviceportal für die Wohnungswirtschaft etablieren. Hierfür werden wir das System um weitere, signifikante Funktionen erweitern. Vertriebsseitig konzentrieren wir uns weiterhin auf die Gewinnung größerer Bestandshalter. Auch eine Internationalisierung unseres Angebots steht bereits auf unserer Agenda – in gesundem Tempo möchte ich sagen, daher zunächst im deutschsprachigen Raum.